Im Grunde ist es meine Haltung, dass wir Kinder nicht erziehen können. Wo sollten wir sie denn auch hinziehen? Aber so lautet eben der allseits bekannte Begriff. Es gibt viele Beispiele von Menschen, die durch autoritäre oder Laissez-faire Erziehung in ihrer Entwicklung eher gehemmt als gefördert wurden. „Vorleben“ finde ich passender als „Erziehung“. Wir können Kindern Haltungen und Werte vorleben und diese durch eine unbedingte wertschätzende Beziehung vermitteln. Dabei muss keine Blutsverwandtschaft gegeben sein. Es reicht oft ein einziger Mensch im Leben eines Kindes aus, an den es sicher gebunden ist.
Im besten Fall sind „Eltern“ sicherer Hafen und Anker.
Die Gewissheit des Hafens tragen sicher gebundene Kinder wie eine Kompassnadel in sich. Er ist ein Stück Zuhause, überdauert alle Krisen und bietet Zuflucht und (innere) Sicherheit. Wie ein Leuchtfeuer kommt die Erinnerung aus dem Hafen. Er ist immer da. Ihn ihm ist immer Platz für Heimkehrer. „Ich bin hier und ich bleibe da. Ich bleibe auch da, wenn es unangenehm wird und du mich vielleicht wegschicken willst oder wenn Gefahren und Probleme drohen.“
Ein verlässlicher Anker vermittelt auf stürmischer See eine innere Gewissheit, ein Urvertrauen. Damit „Eltern“ diese Ankerfunktion übernehmen können, müssen sie selbst gut verankert und von ihrer Selbstwirksamkeit überzeugt sein. „Eltern“, die gut verankert sein wollen, suchen sich auch noch anderweitig Unterstützung. Wir sind nicht allein.
„Grundlage für eine gelingende Erziehung sind souveräne und starke Eltern…Um ein guter Anker zu sein, sind klare Strukturen, Präsenz und wachsame Sorge, ausreichend Unterstützung in der Erziehung sowie die Fähigkeit zur Selbstkontrolle und Deeskalation von großer Bedeutung.“
Heute weiß ich, dass ich immer ein sicher gebundenes Kind war. Trotz vieler Stürme. Ich bin meinen „Eltern“ in Form meiner Mutter unendlich dankbar. Souveräne starke „Eltern“ fallen nicht einfach so vom Himmel. Wir haben die Möglichkeit, unsere Emotionen und Impulse gerade in schwierigen Situationen im Zaum zu halten. All die Fähigkeiten, die wir brauchen, um Hafen und Anker zu sein, können wir erlernen und einüben. Eigene Kinder sind wohl die größten Lehrmeister, die uns je in unserem Leben begegnen. Wenn wir die Herausforderungen annehmen.
Es ist nie zu spät, ein sicher gebundenes Kind zu sein und sicher gebundene Kinder zu haben.
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