Entscheidungswa(h)l(d)

Wenn sich das Leben wie ein Dickicht anfühlt, bringen wegweisende Entscheidungen wieder Bewegung und Leichtigkeit ins Leben.

Da gibt es Entscheidungen, die wir bewusst selbst treffen. Manche wiederholen wir immer wieder. Manche nie mehr. Manche sind gut, manche vielleicht weniger. Manche Entscheidungen sind heute nicht passend, morgen aber schon und umgekehrt.

Und dann gibt es Entscheidungen, die uns treffen.

Manche hätten wir vielleicht nie gewagt und sind in der Rückschau das Beste, was uns passieren konnte. Manche zwingen uns zu Veränderungen, die wir annehmen oder aber gegen die wir ein ganzen Leben lang ankämpfen können. Unser Fokus bestimmt.

Jeder Mensch darf für sich entscheiden, wie er sein Leben leben möchte. Und er kann voll und ganz Verantwortung übernehmen.

Das Leben stellt die Fragen.

Die Antworten liegen in unserem Aufgabengebiet.

Wir haben die Wahl.

Er aber schlief

„Und siehe, es erhob sich ein großer Sturm auf dem Meere, sodass das Schiff von den Wellen bedeckt ward; er aber schlief.“ Matth.8,24

Angst und Sorgen wähle ich prinzipiell frei aus. Oft ist dieser Gedanke unbequem. Aber dennoch stimmt er für mich.

Wie schnell können sich unsere Gefühlslagen um 180 Grad drehen, wenn wir traurige Nachrichten erhalten oder selbst wie aus dem Nichts vor großen Herausforderungen stehen. Übermäßige unkontrollierte Angst lähmt uns. Sorgen bringen uns keinen Zentimeter weiter. Durch traurige Nachrichten können wir uns selbst stets aufs Neue hinterfragen, wie wir uns anderen gegenüber verhalten, wie wir auf unsere Gedanken, Worte und Taten achten. Nur da können wir etwas verändern. An unserem eigenen Verhalten. Daran, wie wir denken. Was wir sagen. Wir können alles vorbereiten und tun, was in unserer Macht steht. Doch dann sollten wir uns ausruhen und Kraft tanken und uns nicht durch negative Gedanken und Sorgen selbst „zerreißen“.

„Die Leute im Schiff wurden aufgeschreckt und fürchteten sich, umzukommen…er aber schlief…Aber solange wir auf dieser Erde leben, werden die Gefahren auf dem Meere wiederkehren.“ C.H. Spurgeon

Dinge passieren

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 13:

Ich glaube daran, dass uns das Leben genau da hinstellt, wo wir etwas lernen und dadurch am Ende immer mehr Fähigkeiten entwickeln dürfen. Je mehr wir erkennen, dass es in unserem Leben immer nur JETZT – den jetzigen Augenblick – gibt, umso mehr sind wir mit allen Sinnen präsent. Jeder Moment ist einzigartig. Wir erkennen die Menschen vor uns, wir spüren den Wind, wir schmecken das Essen, lenken unsere Gedanken bewusst und begegnen uns selbst und anderen mit Liebe und Wertschätzung. Was nicht bedeutet, mit anderen vollkommen einer Meinung zu sein.

Wie oft habe ich Momente in meinem Leben nicht genutzt, weil ich mit meinen Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft war. Also theoretisch. Denn gewesen bin ich auch damals JETZT. Aber ich hab´s nicht wirklich mitbekommen. Nicht kapiert. Das möchte ich nicht mehr. Dinge passieren sowieso. Es ist, wie es ist. Ich kann mich vorbereiten. Lernen. Wissen und Erfahrungen sammeln. Haltende, echte und ehrliche Beziehungen aufbauen. Dennoch: Dinge passieren sowieso. Es ist, wie es ist. Und: Unser Leben wird, was wir aus ihm machen.

Atmung als Pause Taste

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 11:

„Kränkungen sind ein Prototyp für Störungen in Beziehungen zwischen Menschen und dem Unfrieden in den Menschen selbst. In der Kränkung brechen wir nicht nur den Kontakt zu dem oder den anderen ab, sondern auch zu uns selbst. Wir verlieren den inneren Zusammenhalt und fühlen uns nicht mehr eins mit uns, sondern gespalten oder zerrissen.“ Bärbel Wardetzki

Wir verlieren uns und dabei den Zugang zu unserem logischen reflektierten Denken. Genau letzteres aber kann uns gemeinsam mit unserem Humor helfen, die Kränkung zwar wahrzunehmen, aber nicht (mehr) aggressiv oder depressiv auf sie zu reagieren. Schon mit ein paar tiefen Atemzügen können wir die „Pause Taste“ drücken und Distanz zwischen der angetriggerten alten Wunde und der oft automatisierten Reaktion schaffen. Wir können uns wieder sammeln, konzentrieren und ausbalancieren. Was bringt es, wenn wir unversöhnlich bleiben, Schuld zuweisen und uns dadurch selbst in die Opferrolle begeben? Was bringt es, wenn wir unsere Beziehungen auf´s Spiel setzen? Vielleicht Vereinsamung, Scham, Eigenbrödelei, Angst, Wut? Besserwisserei? Krieg? Krankheit? Wenn wir mehr Freundlichkeit, Liebe und Gesundheit im Leben wollen, sollten wir öfter einmal die „Pause Taste“ drücken. Dann haut uns auch der stärkste Sturm auf Dauer nicht um und schon gar nicht behindert er uns am Weiterwachsen.

Entdeckerfreude verwandelt

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 9:

„Es wird Zeit, dass wir unsere Kinder lehren, die richtigen Fragen zu stellen, um selbst herauszufinden, wem und worauf sie wirklich vertrauen können.“ aus: Gerald Hüther, Wege aus der Angst.

Wozu? Wir manipulieren andere Menschen (oft unbewusst ?), damit sie etwas tun oder unterlassen, indem wir Warnungen aussprechen. „Wenn du das tust, dann … Wenn du das sagst, dann … Wenn du das nicht machst, dann …“ Dabei geht es oft gar nicht um unser Gegenüber, sondern um unsere ganz eigenen Überzeugungen, um unser Weltbild, wie etwas zu sein hat. Als Eltern sollten wir unsere Überzeugungen und Glaubenssätze daher immer wieder in Frage stellen. Fragen unserer Kinder können uns dabei helfen: „Warum machst du mir mit deinen Sorgen Angst, dass mein weiteres Leben nicht gut sein wird, wenn ich das oder das nicht mache?“ Dann können wir anfangen, unsere Motive zu erforschen. Und finden vielleicht heraus, dass wir mit unseren Aussagen und unseren Verhaltensweisen endlich aufhören sollten, die in anderen im Grunde nur die Angst aufrecht erhalten, nicht zu entsprechen. Stattdessen können wir wieder mit unserer eigenen ENTDECKERFRREUDE, Gestaltungslust, Sinnlichkeit und kindlicher Offenheit in Berührung kommen. Und uns verwandeln. Und gleich auch die Welt um uns. Mit Freude und Leichtigkeit. „Für Angst machende Vorstellungen ist dann einfach kein Platz mehr in unseren Gehirnen.“ ebd.

Vom Falken und vom Adler

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 7:

Ein junges Paar kam zu einem alten Medizinmann der Sioux-Indianer und bat um einen Talisman, der ihnen garantieren sollte, dass ihre Liebe niemals endet und sie für immer zusammenbleiben. Der Medizinmann schickte sie weg. Die Frau sollte mit bloßen Händen den schönsten und stärksten Falken unverletzt einfangen, der Mann den wildesten aller Adler. Mit beiden Vögeln kamen sie wieder zu ihm zurück. Als nächstes bat er sie, die beiden starken Vögel mit Lederschnüren an den Füßen zusammenzubinden, sie frei zu geben und fliegen zu lassen. Auch nach unzähligen Versuchen erhoben sie sich nicht in die Lüfte, flatterten hilflos am Boden, begannen aufeinander einzuhacken und sich gegenseitig zu verletzen. „Das ist der Talisman. Vergesst nie, was ihr soeben gesehen habt.“, sagte der weise Medizinmann. Und weiter: „Wenn ihr wollt, dass die Liebe zwischen euch bleibt, dann fliegt gemeinsam, aber niemals in Fesseln.“ aus: Das Buch der Begegnung, Jorge Bucay

Es gibt einen Menschen, der immer ganz bei uns sein sollte. Und das sind wir selbst. Wir sollten – immer wieder – in unsere Balance kommen, um in uns selbst ruhen. Wir können unseren Weg mit anderen teilen, ohne dass wir uns oder andere deshalb aufgeben. Bucay schreibt provokant: „Wenn ich nicht in mir selbst ruhe, ist es, als würde ich nicht existieren. Und wenn ich nicht existiere, wie sollte ich dir begegnen?“

Von der Stille …

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 6:

„Für fast jeden unerfüllt gebliebenen Traum im Leben gibt es eine Erfüllung, die wir uns nie hätten träumen lassen …“ aus: Was das Leben wertvoll macht, Elisabeth Lukas

Mut heißt, zu wissen, dass wir verletzt werden können. Mut braucht es, in unseren Beziehungen Konflikte heil durchschiffen zu können. Mut braucht es, keine Angst vor der Stille zu haben. Denn in der Stille offenbaren sich unsere Träume.

„Denn die Stille ist es, in der wir die zarten Weisungen des Herzens vornehmlich empfangen, die uns wieder neu die Richtung weisen – in ruhigeres Fahrwasser zurück.“ ebd.

Das Fahrwasser, aus dem heraus wir uns – ohne die leiseste Ahnung davon zu haben, wie es ausgeht – auf ein neues Abenteuer vertrauen.

So wie ich bin …

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 4:

„Jeder baut sich sein Lebensgebäude aus dem Material, das ihm zur Verfügung steht. Manches Material ist knapp bemessen, anderes überreich. Davon mag die Zahl der Zimmer, Stiegen, Giebel und Dächer abhängen, nicht aber, ob das Bauwerk zu guter Letzt als Brutstätte des Unglücks oder als Raststätte des Glücks Verwendung findet…“ aus: Was das Leben wertvoll macht, Elisabeth Lukas

Wie wird unser Leben eine Raststätte des Glücks?

Wir alle haben die uneingeschränkte Möglichkeit, freundlich und herzlich zu sein. Selbst wenn jemand – warum auch immer – ekelhaft zu uns ist, können wir herzlich und liebevoll mit diesem Menschen umgehen. „Und was habe ich davon?“ mag als Gedanke beim Lesen dieser Zeilen auftauchen. Beim ersten Hinsehen: Nichts! Doch letztlich sind wir das, was dir tun.

Wenn wir jemanden belügen, sind wir Lügner.

Wenn wir jemanden verletzen, sind wir gewalttätig.

Wenn wir liebevoll und herzlich zu jemanden sind, sind wir liebevolle und herzliche Menschen.

„Und was habe ich davon, ein liebevoller und herzlicher Mensch zu sein?“

Nichts?

„So wie ich bin, so baue ich mir mein Leben.“

Vom Hinschauen und Treiben lassen

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 3:

Wenn der Meeresgrund unter dir dunkel wird, besorge dir eine Taucherbrille und sieh ihn dir ganz genau an. „Der Mensch kann seine Angst nur bezwingen, wenn er dem entgegentritt, das er fürchtet.“ Florence Scovel Shinn. „Ich weiß vom Fall einer Frau, bei der die Veränderung wirkte, als hätte ein Wirbelsturm all ihre Angelegenheiten völlig durcheinandergewirbelt. Doch schon bald fügte sich alles zusammen und anstelle der alten, traten wunderbare neue Lebensumstände ein.“ ebd. Wenn wir alles in unserer Macht stehende getan haben, sollten wir still stehen bzw. uns im Wasser treiben lassen. Das ist oft die schwierigste Phase in unserer Entwicklung. Aushalten. Durchtauchen. Ruhig bleiben. Wenn die Versuchung kommt, dass wir aufgeben oder (meist eh faule) Kompromisse eingehen…einfach weiterschwimmen. Abtauchen. Auftauchen. Schwimmen. Treiben lassen. Alles fügt sich auf wundersame Weise immer wieder passend zusammen, wenn wir daran glauben und vertrauen.

Lebe auf den Augenblick eingestellt

„Achte gut auf den heutigen Tag! So heißt du den heraufziehenden Tag willkommen. Du bist geistig wach, erwartest jederzeit Führung und Unterstützung, um jede Gelegenheit zu nutzen…Blicke voller Staunen auf das, was vor dir liegt.“ aus: Florence Scovel Shinn, Das Spiel des Lebens und wie man es spielt.

Im Augenblick zu leben, lernen wir, wenn wir uns bemühen, wirklich präsent zu sein. Das Leben, egal wo wir sind, bietet uns unzählige Möglichkeiten, das zu üben. Und wenn wir wirklich präsent sind, dann erkennen wir all die Chancen, die jeder einzelne Lebenstag für uns bringt. Zum Beispiel: uns selbst in Beziehung zu anderen immer besser kennenzulernen, uns zu freuen und zu lieben, dankbar zu sein, eigene Fähigkeiten (weiter-)zu entwickeln, das Gute in anderen und im Leben zu sehen, den Fokus darauf zu richten, was heil ist und dabei ruhig und gelassen bleiben …

Heute empfand ich beim Schwimmen kurz ein ungutes Gefühl, als der Meeresgrund unter mir ganz dunkel wurde. Ich hatte sofort die Stimme meiner besten Freundin im Kopf: „Weiterschwimmen. Weiterschwimmen. Du musst einfach nur weiterschwimmen.“ Das ist eine Metapher, die wir oft verwenden.

So sind selbst ungute Situationen gut, wenn wir im Augenblick davon unberührt bleiben und uns nicht widersetzen. Sie lösen sich wie von Zauberhand von selbst auf. Und wir bleiben klar und „stehen fest“.

„Unsere Schiffe kommen über ruhige See in den Hafen.“ ebd.