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Am Abgrund

„Die Schönheit liegt am Abgrund des Scheiterns.“ Nikolaus Harnoncourt

Mit den Jahren trauen wir uns (wieder) immer mehr dahin.

An den Abgrund.

Scheitern?

Dahin, wo wir nicht sicher sind.

Was ist wirklich sicher? Nichts.

Immer mehr überleben wir.

Wir leben auf.

Leicht(er). Lebendig(er). Gescheiter. Mutiger.

Wir zerbrechen in Stücke.

Lassen weg, was wir nicht mehr gebrauchen.

Und sortieren uns neu. Immer wieder.

Damit sind wir Beispiel für andere. Das sollten wir nie vergessen.

Alles, was wir tun und lassen, hat eine Auswirkung.

Alles ohne Ausnahme. Ohne eine einzige Ausnahme.

Die Macht unserer Aufmerksamkeit

Es macht einen Unterschied, was wir tun.

Unsere Einstellung verändert die Welt.

Mit unserer Aufmerksamkeit lenken wir unsere Energie. Das, wovor wir uns fürchten, kommt immer wieder in unser Leben. Das, worauf wir uns freuen, auch.

So können wir unser ganzes Leben mit unserer Aufmerksamkeit lenken.

Es lohnt sich wirklich, das auszuprobieren! Jeder Tag ist dafür eine neue Chance.

Wenn wir ständig unsere Fähigkeiten Aufmerksamkeit und Präsenz weiterentwickeln, werden wir nach einiger Zeit nicht schlecht staunen, wie sehr sich unsere Beziehungen verbessern.

Bessere Beziehungen verändern die Welt.

So können wir die Welt allein durch unsere Beziehungen in eine heilere transformieren. Jede und jeder einzelne von uns kann das tun.

“The power of attention is the real superpower of our age. Attention, aligned with intention, can make mountains move.” Otto Scharmer

WIR

In Gesprächen, in denen sich Menschen aus den verschiedensten Gründen über irgendeine Tatsache aufregen, höre ich wiederholt: „Die anderen!“ „Das System!“ „Die meisten!“ „Die Leute!“ usw.

Diesbezüglich bin ich heute in einem sehr inspirierenden Projektmeeting auf einen Input gestoßen:

„Die Theory U nach Otto Scharmer lässt sich in 3 Sätzen zusammenfassen:

– Man kann ein System nicht verstehen, wenn man es nicht verändert (Kurt Lewin).

– Man kann ein System nicht verändern, wenn sich das Bewusstsein der/des Einzelnen nicht verändert.

– Bewusstsein kann sich nicht verändern, wenn man ein System nicht als Ganzes betrachtet und erlebt.“ Quelle: https://theory-u.de/

Besonders den letzten Satz sollten wir uns bewusst machen, so wir etwas zum Besseren verändern wollen. Solange wir von „Ich“ bzw. „Wir“ und „Die anderen“ sprechen, wird es schwierig, gemeinsame Lösungen in unseren Leben zu finden. SINNvolle Lösungen für mehr Leichtigkeit, Zufriedenheit, Glück und Gesundheit.

Was wissen wir?

Was am Ende wirklich zählt ist nicht das, was wir von anderen erwarten, das sie tun sollten, sondern das, was wir selbst tun. Und dabei sollten wir uns nicht zu wichtig nehmen. Die Frage: „Stimmt das, was ich gerade denke?“ ist in diesem Zusammenhang wertvoll. Immer wieder liegen wir komplett falsch mit unserem Wissen und beharren dennoch aus verschiedensten Gründen auf unser Recht haben. Vielleicht zerbrechen sogar Beziehungen dadurch. Unser Gehirn ist ein großartiges Organ, wenn wir es als wertvolles Werkzeug verwenden. Wenn wir in die Falle tappen und zu oft im Autopiloten unterwegs sind, kann das irgendwann schmerzhaft werden. Für uns selbst und unsere Mitmenschen.

Hinterfragen ist wichtig für ein bewusstes Leben.

Immer wieder sollten wir das hinterfragen, was wir denken und zu wissen glauben.

Entscheidungswa(h)l(d)

Wenn sich das Leben wie ein Dickicht anfühlt, bringen wegweisende Entscheidungen wieder Bewegung und Leichtigkeit ins Leben.

Da gibt es Entscheidungen, die wir bewusst selbst treffen. Manche wiederholen wir immer wieder. Manche nie mehr. Manche sind gut, manche vielleicht weniger. Manche Entscheidungen sind heute nicht passend, morgen aber schon und umgekehrt.

Und dann gibt es Entscheidungen, die uns treffen.

Manche hätten wir vielleicht nie gewagt und sind in der Rückschau das Beste, was uns passieren konnte. Manche zwingen uns zu Veränderungen, die wir annehmen oder aber gegen die wir ein ganzen Leben lang ankämpfen können. Unser Fokus bestimmt.

Jeder Mensch darf für sich entscheiden, wie er sein Leben leben möchte. Und er kann voll und ganz Verantwortung übernehmen.

Das Leben stellt die Fragen.

Die Antworten liegen in unserem Aufgabengebiet.

Wir haben die Wahl.

Er aber schlief

„Und siehe, es erhob sich ein großer Sturm auf dem Meere, sodass das Schiff von den Wellen bedeckt ward; er aber schlief.“ Matth.8,24

Angst und Sorgen wähle ich prinzipiell frei aus. Oft ist dieser Gedanke unbequem. Aber dennoch stimmt er für mich.

Wie schnell können sich unsere Gefühlslagen um 180 Grad drehen, wenn wir traurige Nachrichten erhalten oder selbst wie aus dem Nichts vor großen Herausforderungen stehen. Übermäßige unkontrollierte Angst lähmt uns. Sorgen bringen uns keinen Zentimeter weiter. Durch traurige Nachrichten können wir uns selbst stets aufs Neue hinterfragen, wie wir uns anderen gegenüber verhalten, wie wir auf unsere Gedanken, Worte und Taten achten. Nur da können wir etwas verändern. An unserem eigenen Verhalten. Daran, wie wir denken. Was wir sagen. Wir können alles vorbereiten und tun, was in unserer Macht steht. Doch dann sollten wir uns ausruhen und Kraft tanken und uns nicht durch negative Gedanken und Sorgen selbst „zerreißen“.

„Die Leute im Schiff wurden aufgeschreckt und fürchteten sich, umzukommen…er aber schlief…Aber solange wir auf dieser Erde leben, werden die Gefahren auf dem Meere wiederkehren.“ C.H. Spurgeon

Dinge passieren

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 13:

Ich glaube daran, dass uns das Leben genau da hinstellt, wo wir etwas lernen und dadurch am Ende immer mehr Fähigkeiten entwickeln dürfen. Je mehr wir erkennen, dass es in unserem Leben immer nur JETZT – den jetzigen Augenblick – gibt, umso mehr sind wir mit allen Sinnen präsent. Jeder Moment ist einzigartig. Wir erkennen die Menschen vor uns, wir spüren den Wind, wir schmecken das Essen, lenken unsere Gedanken bewusst und begegnen uns selbst und anderen mit Liebe und Wertschätzung. Was nicht bedeutet, mit anderen vollkommen einer Meinung zu sein.

Wie oft habe ich Momente in meinem Leben nicht genutzt, weil ich mit meinen Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft war. Also theoretisch. Denn gewesen bin ich auch damals JETZT. Aber ich hab´s nicht wirklich mitbekommen. Nicht kapiert. Das möchte ich nicht mehr. Dinge passieren sowieso. Es ist, wie es ist. Ich kann mich vorbereiten. Lernen. Wissen und Erfahrungen sammeln. Haltende, echte und ehrliche Beziehungen aufbauen. Dennoch: Dinge passieren sowieso. Es ist, wie es ist. Und: Unser Leben wird, was wir aus ihm machen.

Atmung als Pause Taste

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 11:

„Kränkungen sind ein Prototyp für Störungen in Beziehungen zwischen Menschen und dem Unfrieden in den Menschen selbst. In der Kränkung brechen wir nicht nur den Kontakt zu dem oder den anderen ab, sondern auch zu uns selbst. Wir verlieren den inneren Zusammenhalt und fühlen uns nicht mehr eins mit uns, sondern gespalten oder zerrissen.“ Bärbel Wardetzki

Wir verlieren uns und dabei den Zugang zu unserem logischen reflektierten Denken. Genau letzteres aber kann uns gemeinsam mit unserem Humor helfen, die Kränkung zwar wahrzunehmen, aber nicht (mehr) aggressiv oder depressiv auf sie zu reagieren. Schon mit ein paar tiefen Atemzügen können wir die „Pause Taste“ drücken und Distanz zwischen der angetriggerten alten Wunde und der oft automatisierten Reaktion schaffen. Wir können uns wieder sammeln, konzentrieren und ausbalancieren. Was bringt es, wenn wir unversöhnlich bleiben, Schuld zuweisen und uns dadurch selbst in die Opferrolle begeben? Was bringt es, wenn wir unsere Beziehungen auf´s Spiel setzen? Vielleicht Vereinsamung, Scham, Eigenbrödelei, Angst, Wut? Besserwisserei? Krieg? Krankheit? Wenn wir mehr Freundlichkeit, Liebe und Gesundheit im Leben wollen, sollten wir öfter einmal die „Pause Taste“ drücken. Dann haut uns auch der stärkste Sturm auf Dauer nicht um und schon gar nicht behindert er uns am Weiterwachsen.

Entdeckerfreude verwandelt

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 9:

„Es wird Zeit, dass wir unsere Kinder lehren, die richtigen Fragen zu stellen, um selbst herauszufinden, wem und worauf sie wirklich vertrauen können.“ aus: Gerald Hüther, Wege aus der Angst.

Wozu? Wir manipulieren andere Menschen (oft unbewusst ?), damit sie etwas tun oder unterlassen, indem wir Warnungen aussprechen. „Wenn du das tust, dann … Wenn du das sagst, dann … Wenn du das nicht machst, dann …“ Dabei geht es oft gar nicht um unser Gegenüber, sondern um unsere ganz eigenen Überzeugungen, um unser Weltbild, wie etwas zu sein hat. Als Eltern sollten wir unsere Überzeugungen und Glaubenssätze daher immer wieder in Frage stellen. Fragen unserer Kinder können uns dabei helfen: „Warum machst du mir mit deinen Sorgen Angst, dass mein weiteres Leben nicht gut sein wird, wenn ich das oder das nicht mache?“ Dann können wir anfangen, unsere Motive zu erforschen. Und finden vielleicht heraus, dass wir mit unseren Aussagen und unseren Verhaltensweisen endlich aufhören sollten, die in anderen im Grunde nur die Angst aufrecht erhalten, nicht zu entsprechen. Stattdessen können wir wieder mit unserer eigenen ENTDECKERFRREUDE, Gestaltungslust, Sinnlichkeit und kindlicher Offenheit in Berührung kommen. Und uns verwandeln. Und gleich auch die Welt um uns. Mit Freude und Leichtigkeit. „Für Angst machende Vorstellungen ist dann einfach kein Platz mehr in unseren Gehirnen.“ ebd.

Vom Falken und vom Adler

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 7:

Ein junges Paar kam zu einem alten Medizinmann der Sioux-Indianer und bat um einen Talisman, der ihnen garantieren sollte, dass ihre Liebe niemals endet und sie für immer zusammenbleiben. Der Medizinmann schickte sie weg. Die Frau sollte mit bloßen Händen den schönsten und stärksten Falken unverletzt einfangen, der Mann den wildesten aller Adler. Mit beiden Vögeln kamen sie wieder zu ihm zurück. Als nächstes bat er sie, die beiden starken Vögel mit Lederschnüren an den Füßen zusammenzubinden, sie frei zu geben und fliegen zu lassen. Auch nach unzähligen Versuchen erhoben sie sich nicht in die Lüfte, flatterten hilflos am Boden, begannen aufeinander einzuhacken und sich gegenseitig zu verletzen. „Das ist der Talisman. Vergesst nie, was ihr soeben gesehen habt.“, sagte der weise Medizinmann. Und weiter: „Wenn ihr wollt, dass die Liebe zwischen euch bleibt, dann fliegt gemeinsam, aber niemals in Fesseln.“ aus: Das Buch der Begegnung, Jorge Bucay

Es gibt einen Menschen, der immer ganz bei uns sein sollte. Und das sind wir selbst. Wir sollten – immer wieder – in unsere Balance kommen, um in uns selbst ruhen. Wir können unseren Weg mit anderen teilen, ohne dass wir uns oder andere deshalb aufgeben. Bucay schreibt provokant: „Wenn ich nicht in mir selbst ruhe, ist es, als würde ich nicht existieren. Und wenn ich nicht existiere, wie sollte ich dir begegnen?“