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Wer bin ich (geworden)?

Ich habe gestern bei Stephen R. Covey einen Satz gehört: „Ich höre, was du bist und nicht, was du sagst.“ Das kann sehr positiv sein, wenn jemand zum Beispiel sagt, er sei okay, wir ihm das aber nicht abkaufen und achtsam helfen. Es kann aber auch sein, dass wir in Gesprächen sehr darauf fixiert sind, was wir über Menschen zu wissen glauben. Wir machen uns quasi ein Bild von anderen auf Basis unserer eigenen eingebrannten Glaubenssätze. So sind wir taub für das, was ein Mensch wirklich sagt. Erst wenn wir uns auf Menschen wertschätzend einlassen und uns selbst zurücknehmen, haben wir eine Chance, Gemeinsamkeiten zu entdecken und Verbindungen herzustellen. Es ist nur vermeintlich einfach „Der ist halt so.“ „So sind die Leute.“ „Erzähl mir nichts über die.“… zu sagen.

Viel besser wäre: „Ich höre dir achtsam zu und will erfahren wer du (geworden) bist.“ Denn allein dadurch erfahren wir, wer wir selbst (geworden) sind über die Zeit.“

Sei auf Veränderungen vorbereitet

„Wem man Veränderungen aufdrückt, der drückt sich davor.“ Spencer Johnson

Es hat für mich eine ganze Weile gebraucht, um wirklich zu verstehen, dass alles seine Zeit, jeder Mensch sein eigenes Tempo, seine ganz eigene Art, seine eingebrannten Glaubenssätze und seine individuelle Lebensweise hat. Es ist verständlich, sich zu wünschen, dass alles beim Alten bleibt. Veränderungen könnten ja schaden. Vor allem macht sich leicht die Angst vor dem Ungewissen breit. Die Basis der Bewusstseinsarbeit ist immer Selbstreflexion: Wovor habe ich Angst? Wieso werde ich immer wieder von ihr gesteuert und drücke mich vor längst überfälligen Entscheidungen? Wieso kann ich alte Überzeugungen (noch) nicht loslassen und tappe immer wieder in dieselben Fallen? Mache ich es mir zu bequem? Traue ich mich, ich selbst zu sein?

Um Antworten zu geben, braucht es die Fähigkeit, sich zu entspannen. Die nimmermüde Plapperstimme im Kopf schlafen zu legen. Kraft und Selbstwirksamkeit in sich selbst zu entdecken.

Wenn wir unsere Denkmuster verändern, verändern wir auch unser Verhalten. Wir drücken uns dann nicht mehr vor Veränderungen. Wir sind vorbereitet, passen uns flexibel an, bleiben am Steuer und freuen uns sogar darauf. Dann drücken wir uns nicht (mehr) vor dem sich verändernden Leben. Wir drücken unserem Leben unseren ganz eigenen Stempel auf.

Von Erfahrung, Entscheidungen und Weichen

Gestern sagte mir ein Feuerwehrmann aus Achenkirch, dass am Mariensteig jedes Jahr Menschen abstürzen. Ich habe aufmerksam zugehört, neugierig nachgefragt. Habe seine Sicht verstanden. Heute ging ich achtsam meiner Wege, so wie ich mir das vorgenommen hatte. Oft geben wir den Erfahrungen anderer so viel Raum, dass wir von unseren eigenen Plänen ablassen. Dabei ist es (nur) ihre Sicht der Dinge, ihre Wirklichkeit. Wenn wir gut hinhören, was andere sagen, fragen, von unseren Ideen erzählen, können wir uns annähern, voneinander lernen, von unseren (oft engen) Wirklichkeiten abrücken und vertrauensvoll immer mehr neue Erfahrungen machen. Achtsam. Präsent. Voll Freude. Denn es sind unsere Erfahrungen, aus denen wir unser Leben bauen. Auf Erfahrungen greifen wir (unbewusst) bei all unseren kleinen und großen Entscheidungen zurück…und stellen damit Weichen.

Boote kommen und gehen

„Ein Mann sitzt in seinem Boot, als er ein anderes auf ihn zukommen sieht. Er wird nervös. Das Boot kommt immer näher. Er ruft und bemerkt dabei, das Boot ist führerlos. Er kann einen Zusammenstoß nicht vermeiden. Sein Boot nimmt einen Schaden. Er ist erstaunt, bindet das 2. Boot fest und bringt es zum Ufer.“

„Ein Mann sitzt in seinem Boot, als er ein anderes auf ihn zukommen sieht. Er wird nervös. Das Boot kommt näher. Er ruft. Der Mann auf dem anderen Boot reagiert nicht. Schläft er? Ist er betrunken? Macht er das absichtlich? Die Boote stoßen zusammen. Der Schaden ist genau der gleiche wie in der oberen Geschichte. Immer noch reagiert der Mann auf dem 2. Boot nicht. Der Mann auf dem 1. Boot ärgert sich maßlos, schimpft und flucht. Das 2. Boot fährt weiter.“

Boote kommen und gehen. Führerlos, manövrierunfähig oder gezielt gesteuert. Das ist Leben. wie in diesen Geschichten aus dem Zen. Alles fließt. Was wir tun können: unser eigenes Boot leer und leicht machen und es immer besser steuern lernen, um Kollisionen zu vermeiden. Wie auch immer. Es ist gut, wie es ist.

Manche sind stark an den gebrochenen Stellen

„Die Welt bricht jeden und danach sind manche stark an den gebrochenen Stellen.“ Ernest Hemingway, In einem andern Land

Es bleibt für jede und jeden von uns zu reflektieren, wo genau wir (auf-)gebrochen wurden und wo wir genau dadurch stärker geworden sind. Eine meiner größten Erkenntnisse ist, dass die Menschen nicht alles gegen mich getan haben oder tun. Dass ich ihnen durch mein Verhalten (zufällig) einen Spiegel vorgehalten habe, in den sie (noch) nicht sehen wollten oder konnten. Selbstreflexion ist nicht einfach. Alles hat eben seine Zeit. „Menschen machen die Dinge, die sie tun, für (gegen) sich. Jeder hat recht in seinem eigenen Angst- und Denksystem.“ Jens Corssen

Aus meinem Denksystem heraus verhalten sie sich vielleicht ungünstig. Doch das ist ganz allein meine Wirklichkeit und mein Problem. Ich kann bewusst entscheiden, wie ich agiere. Wir alle stehen immer an verschiedenen Punkten. Entwickeln und verwandeln uns in unserem eigenen Tempo. Auf unsere eigene Weise.

Am Ende des Weges

Am Ende des Weges. „Menschen wollen nicht glücklich sein. Sie wollen einen Grund zum Glücklichsein.“ Viktor Frankl. Haben wir diesen Grund (gefunden), können wir selbstbestimmt(er) leben. Wir wissen, es gibt Höhen und Tiefen. Schwierigkeiten, neue Ideen, Schmerzen, Misserfolge, Lösungen, Zeichen, Engel am Weg… Wir wissen, wir können lernen, uns erden und werden letztlich geführt, wenn wir darauf vertrauen wollen. Wir sind niemals allein. Obwohl wir alleine gehen. Knie an Großhirn: „Bist du deppat, jetzt reicht’s aber wirklich bald.“ Großhirn an Knie: „Keine Panik! Mach einfach weiter! Wir sind bald am Ziel. Dann kümmere ich mich noch besser um dich. Denn nach dem Ziel kommt ein neues Ziel.“ Vamos!

Nachhaltige Verwandlung … statt oberflächliche Veränderung

In einer Welt, in der alles aus den Fugen zu geraten scheint, genügen keine oberflächlichen Veränderungen (häufig als Projekt bezeichnet) mehr. In welchen Systemen auch immer.

„Veränderung ist eine Kleinigkeit, die kann man auch wieder zurückführen. Eine Verwandlung ist das, was es braucht, damit die Veränderung in einer neuen Weise integriert werden kann. Dann bleibt sie auch stabil. Wenn ich mich verändere, kann ich mich auch wieder zurück verändern. Wenn ich mich verwandelt habe, komme ich nicht mehr in den Ursprungszustand zurück. Es hat sich zu vieles an diese einmal erfolgte Veränderung in einem Bereich angepasst und dadurch alles verändert.“ Gerald Hüther

Vielleicht nimmst du dir Zeit für ein Interview mit Gerald Hüther:

Verwandlung statt Veränderung – Wie echte (pers. Anm.: Persönlichkeits-)Entwicklung beginnt

Beginne mit: „Wozu mache ich das?“

Kindern und Jugendlichen fehlt im Schulleben immer häufiger die Motivation. Mich wundert das in unserer schnelllebigen, digitalisierten Zeit nicht. Vielleicht ist aber genau die Digitalität ein (wieder) neuer Anlass, dass (immer mehr) Lehrende von rein verstandesmäßigen Bewertungen von Schüler*innen wegkommen. Wenn junge Menschen mit einer empathischen und intuitiven Sichtweise in ihrer Persönlichkeits- und Bewusstseinsentwicklung von Pädagog*innen geduldig und achtsam begleitet und geführt werden, finden sie viel eher ihr WOZU als alleingelassen im Wirrwarr der Onlinewelten. Ein Wozu basiert auf einer inneren Haltung, auf gefestigten inneren Werten. Ein Wozu gibt dem Leben Sinn. Wenn ein Mensch sein Wozu gefunden hat, wird er sich die für dieses Ziel oder diesen Weg notwendigen Informationen besorgen und die dafür nützlichen Fähigkeiten aneignen. Auch wenn das Misserfolge impliziert. Egal was du tust, fang mit der Frage an: „Wozu mache ich das eigentlich?“ Hast du darauf keine Antwort, entscheide dich …“Aber wofür bloß?“ Finde es heraus! Leben heißt lernen.

„Wir können lernen. Oder leiden.“

„…ein klarer bewusster Trainer ist kein neutrales Gegenüber, sondern ein katalytisches Element im Veränderungsprozess…“ von Menschen. Ich freue mich sehr und bin dankbar, dass heute wieder eine Gruppe den Lehrgang „Mental- und Bewusstseinstraining“ erfolgreich abgeschlossen hat. Unsere Welt braucht viel mehr Menschen mit der Bereitschaft zu lernen, einem hohen Bewusstsein und dem Fokus auf das Verbindende und Heilende. „Bewusstseinsarbeit beginnt nicht mit Tools, sondern mit dem (körperlichen und geistigen energetischen) Zustand.“ Das Leben steckt voller Möglichkeiten. Die Welt ist voller Chancen. Jeder Mensch hat das Potenzial, diese wichtige Arbeit zu tun. Jeder Tag ist der beste, um damit anzufangen.

Sei wie ein Löwe

Und wieder hat mich das Lesen der Diplomarbeit einer angehenden Mentaltrainerin dazu inspiriert, diese Gedanken zu teilen:

<<Wir sollten den Verstand meistern, um bewusst zu gestalten, statt von ihm beherrscht zu werden.

Der Verstand ist das Werkzeug, mit dem ich höherwertige Ziele formen kann.

Metapher aus der buddhistischen Weisheitslehre:

„Wenn du deinen Gedanken nachjagst, bist du wie ein Hund, der einem Stock hinterherläuft: Jedes Mal, wenn ein Stock geworfen wird, rennst du hinterher. Stattdessen sei wie ein Löwe, der, anstatt dem Stock nachzujagen, sich dem Werfer zuwendet. Man wirft einem Löwen nur einmal einen Stock.“>>

Immer wenn wir unbewusst und automatisiert einem Gedanken nachjagen, sind wir nicht DA. Dann sitzt oder steht unser Körper ohne Geist einfach so rum. Es ist quasi niemand in uns daheim. Wir kriegen gar nicht mit, was JETZT passiert. So können wir aber auch nicht bewusst auf das reagieren, was gerade in und um uns passiert. Meistens ist das schade, weil wir dadurch im Leben das Leben versäumen.