Atmung als Pause Taste

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 11:

„Kränkungen sind ein Prototyp für Störungen in Beziehungen zwischen Menschen und dem Unfrieden in den Menschen selbst. In der Kränkung brechen wir nicht nur den Kontakt zu dem oder den anderen ab, sondern auch zu uns selbst. Wir verlieren den inneren Zusammenhalt und fühlen uns nicht mehr eins mit uns, sondern gespalten oder zerrissen.“ Bärbel Wardetzki

Wir verlieren uns und dabei den Zugang zu unserem logischen reflektierten Denken. Genau letzteres aber kann uns gemeinsam mit unserem Humor helfen, die Kränkung zwar wahrzunehmen, aber nicht (mehr) aggressiv oder depressiv auf sie zu reagieren. Schon mit ein paar tiefen Atemzügen können wir die „Pause Taste“ drücken und Distanz zwischen der angetriggerten alten Wunde und der oft automatisierten Reaktion schaffen. Wir können uns wieder sammeln, konzentrieren und ausbalancieren. Was bringt es, wenn wir unversöhnlich bleiben, Schuld zuweisen und uns dadurch selbst in die Opferrolle begeben? Was bringt es, wenn wir unsere Beziehungen auf´s Spiel setzen? Vielleicht Vereinsamung, Scham, Eigenbrödelei, Angst, Wut? Besserwisserei? Krieg? Krankheit? Wenn wir mehr Freundlichkeit, Liebe und Gesundheit im Leben wollen, sollten wir öfter einmal die „Pause Taste“ drücken. Dann haut uns auch der stärkste Sturm auf Dauer nicht um und schon gar nicht behindert er uns am Weiterwachsen.

Entdeckerfreude verwandelt

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 9:

„Es wird Zeit, dass wir unsere Kinder lehren, die richtigen Fragen zu stellen, um selbst herauszufinden, wem und worauf sie wirklich vertrauen können.“ aus: Gerald Hüther, Wege aus der Angst.

Wozu? Wir manipulieren andere Menschen (oft unbewusst ?), damit sie etwas tun oder unterlassen, indem wir Warnungen aussprechen. „Wenn du das tust, dann … Wenn du das sagst, dann … Wenn du das nicht machst, dann …“ Dabei geht es oft gar nicht um unser Gegenüber, sondern um unsere ganz eigenen Überzeugungen, um unser Weltbild, wie etwas zu sein hat. Als Eltern sollten wir unsere Überzeugungen und Glaubenssätze daher immer wieder in Frage stellen. Fragen unserer Kinder können uns dabei helfen: „Warum machst du mir mit deinen Sorgen Angst, dass mein weiteres Leben nicht gut sein wird, wenn ich das oder das nicht mache?“ Dann können wir anfangen, unsere Motive zu erforschen. Und finden vielleicht heraus, dass wir mit unseren Aussagen und unseren Verhaltensweisen endlich aufhören sollten, die in anderen im Grunde nur die Angst aufrecht erhalten, nicht zu entsprechen. Stattdessen können wir wieder mit unserer eigenen ENTDECKERFRREUDE, Gestaltungslust, Sinnlichkeit und kindlicher Offenheit in Berührung kommen. Und uns verwandeln. Und gleich auch die Welt um uns. Mit Freude und Leichtigkeit. „Für Angst machende Vorstellungen ist dann einfach kein Platz mehr in unseren Gehirnen.“ ebd.

Vom Falken und vom Adler

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 7:

Ein junges Paar kam zu einem alten Medizinmann der Sioux-Indianer und bat um einen Talisman, der ihnen garantieren sollte, dass ihre Liebe niemals endet und sie für immer zusammenbleiben. Der Medizinmann schickte sie weg. Die Frau sollte mit bloßen Händen den schönsten und stärksten Falken unverletzt einfangen, der Mann den wildesten aller Adler. Mit beiden Vögeln kamen sie wieder zu ihm zurück. Als nächstes bat er sie, die beiden starken Vögel mit Lederschnüren an den Füßen zusammenzubinden, sie frei zu geben und fliegen zu lassen. Auch nach unzähligen Versuchen erhoben sie sich nicht in die Lüfte, flatterten hilflos am Boden, begannen aufeinander einzuhacken und sich gegenseitig zu verletzen. „Das ist der Talisman. Vergesst nie, was ihr soeben gesehen habt.“, sagte der weise Medizinmann. Und weiter: „Wenn ihr wollt, dass die Liebe zwischen euch bleibt, dann fliegt gemeinsam, aber niemals in Fesseln.“ aus: Das Buch der Begegnung, Jorge Bucay

Es gibt einen Menschen, der immer ganz bei uns sein sollte. Und das sind wir selbst. Wir sollten – immer wieder – in unsere Balance kommen, um in uns selbst ruhen. Wir können unseren Weg mit anderen teilen, ohne dass wir uns oder andere deshalb aufgeben. Bucay schreibt provokant: „Wenn ich nicht in mir selbst ruhe, ist es, als würde ich nicht existieren. Und wenn ich nicht existiere, wie sollte ich dir begegnen?“

Von der Stille …

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 6:

„Für fast jeden unerfüllt gebliebenen Traum im Leben gibt es eine Erfüllung, die wir uns nie hätten träumen lassen …“ aus: Was das Leben wertvoll macht, Elisabeth Lukas

Mut heißt, zu wissen, dass wir verletzt werden können. Mut braucht es, in unseren Beziehungen Konflikte heil durchschiffen zu können. Mut braucht es, keine Angst vor der Stille zu haben. Denn in der Stille offenbaren sich unsere Träume.

„Denn die Stille ist es, in der wir die zarten Weisungen des Herzens vornehmlich empfangen, die uns wieder neu die Richtung weisen – in ruhigeres Fahrwasser zurück.“ ebd.

Das Fahrwasser, aus dem heraus wir uns – ohne die leiseste Ahnung davon zu haben, wie es ausgeht – auf ein neues Abenteuer vertrauen.

So wie ich bin …

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 4:

„Jeder baut sich sein Lebensgebäude aus dem Material, das ihm zur Verfügung steht. Manches Material ist knapp bemessen, anderes überreich. Davon mag die Zahl der Zimmer, Stiegen, Giebel und Dächer abhängen, nicht aber, ob das Bauwerk zu guter Letzt als Brutstätte des Unglücks oder als Raststätte des Glücks Verwendung findet…“ aus: Was das Leben wertvoll macht, Elisabeth Lukas

Wie wird unser Leben eine Raststätte des Glücks?

Wir alle haben die uneingeschränkte Möglichkeit, freundlich und herzlich zu sein. Selbst wenn jemand – warum auch immer – ekelhaft zu uns ist, können wir herzlich und liebevoll mit diesem Menschen umgehen. „Und was habe ich davon?“ mag als Gedanke beim Lesen dieser Zeilen auftauchen. Beim ersten Hinsehen: Nichts! Doch letztlich sind wir das, was dir tun.

Wenn wir jemanden belügen, sind wir Lügner.

Wenn wir jemanden verletzen, sind wir gewalttätig.

Wenn wir liebevoll und herzlich zu jemanden sind, sind wir liebevolle und herzliche Menschen.

„Und was habe ich davon, ein liebevoller und herzlicher Mensch zu sein?“

Nichts?

„So wie ich bin, so baue ich mir mein Leben.“

Vom Hinschauen und Treiben lassen

Sommer in Skiathos, Gedanken Tag 3:

Wenn der Meeresgrund unter dir dunkel wird, besorge dir eine Taucherbrille und sieh ihn dir ganz genau an. „Der Mensch kann seine Angst nur bezwingen, wenn er dem entgegentritt, das er fürchtet.“ Florence Scovel Shinn. „Ich weiß vom Fall einer Frau, bei der die Veränderung wirkte, als hätte ein Wirbelsturm all ihre Angelegenheiten völlig durcheinandergewirbelt. Doch schon bald fügte sich alles zusammen und anstelle der alten, traten wunderbare neue Lebensumstände ein.“ ebd. Wenn wir alles in unserer Macht stehende getan haben, sollten wir still stehen bzw. uns im Wasser treiben lassen. Das ist oft die schwierigste Phase in unserer Entwicklung. Aushalten. Durchtauchen. Ruhig bleiben. Wenn die Versuchung kommt, dass wir aufgeben oder (meist eh faule) Kompromisse eingehen…einfach weiterschwimmen. Abtauchen. Auftauchen. Schwimmen. Treiben lassen. Alles fügt sich auf wundersame Weise immer wieder passend zusammen, wenn wir daran glauben und vertrauen.

Lebe auf den Augenblick eingestellt

„Achte gut auf den heutigen Tag! So heißt du den heraufziehenden Tag willkommen. Du bist geistig wach, erwartest jederzeit Führung und Unterstützung, um jede Gelegenheit zu nutzen…Blicke voller Staunen auf das, was vor dir liegt.“ aus: Florence Scovel Shinn, Das Spiel des Lebens und wie man es spielt.

Im Augenblick zu leben, lernen wir, wenn wir uns bemühen, wirklich präsent zu sein. Das Leben, egal wo wir sind, bietet uns unzählige Möglichkeiten, das zu üben. Und wenn wir wirklich präsent sind, dann erkennen wir all die Chancen, die jeder einzelne Lebenstag für uns bringt. Zum Beispiel: uns selbst in Beziehung zu anderen immer besser kennenzulernen, uns zu freuen und zu lieben, dankbar zu sein, eigene Fähigkeiten (weiter-)zu entwickeln, das Gute in anderen und im Leben zu sehen, den Fokus darauf zu richten, was heil ist und dabei ruhig und gelassen bleiben …

Heute empfand ich beim Schwimmen kurz ein ungutes Gefühl, als der Meeresgrund unter mir ganz dunkel wurde. Ich hatte sofort die Stimme meiner besten Freundin im Kopf: „Weiterschwimmen. Weiterschwimmen. Du musst einfach nur weiterschwimmen.“ Das ist eine Metapher, die wir oft verwenden.

So sind selbst ungute Situationen gut, wenn wir im Augenblick davon unberührt bleiben und uns nicht widersetzen. Sie lösen sich wie von Zauberhand von selbst auf. Und wir bleiben klar und „stehen fest“.

„Unsere Schiffe kommen über ruhige See in den Hafen.“ ebd.

Hollywood Self-Coaching

Zwei Filme haben mich zu diesem Blog inspiriert. „Johnny“, Filmdrama von Daniel Jaroszek, 2022 und „Cloud Atlas“, Literaturverfilmung nach David Mitchells Roman Der Wolkenatlas, 2012. „Das wahre Wesen des Menschen zeigt sich in den Tragödien dieser Welt.“ Pater Jan Kaczkowski, genannt Johnny. Er hörte nie auf, an das Gute im Menschen zu glauben und zeigte genau dadurch bessere Wege auf. Selbst für Menschen mit einer kriminellen Vergangenheit oder argen psychischen Problemen, die in unserer Gesellschaft nicht selten keine nachhaltigen Chancen mehr bekommen. Doch genau nichts auf dieser Welt existiert unabhängig. Wenn wir das Gute in anderen erkennen, Vertrauen schenken und immer wieder Verantwortung übergeben, wird es uns selbst am Ende auch so ergehen. Wenn wir der Welt gegenüber immer misstrauisch sind, in anderen das sehen, was wir nicht haben wollen, dann wird uns die Welt genau so begegnen.

Die Welt ist unser Spiegel. Wir sehen im Außen, was in uns ist. Wenn wir sehr achtsam den Fokus auf die Dinge lenken, die uns gut tun und verbinden, dann verändern wir auch unser Innerstes positiv.

Leben ist nie statisch. Leben ist immer Bewegung. Jeder Mensch kann sein Verhalten hin zu aufrichtig, anständig und freundlich entwickeln. Letztlich zählt das Verhalten jedes einzelnen Menschen. Und dennoch werden „gutgläubige“ Menschen oft belächelt.

„Was willst du mit deinen Taten schon groß erreichen? Das ist doch lächerlich. Was ist schon ein Tropfen im Ozean?“

„Was ist ein Ozean gegen eine große Menge an Tropfen?“ aus Cloud Atlas.

Sei immer du selbst…

Als ich vor zwei Tagen einem Freund während eines Gespräches etwas fragte, fragte dieser wiederum mich, warum ich diese Frage stelle, dass sie aus dem Verstand käme und er nicht antworten würde. Ich hatte einen Nerv getroffen. Es ging dabei um ein ungutes Erlebnis in der Vergangenheit. Er hat die Frage dann doch beantwortet und ich habe ihn zum Nachdenken angeregt.

Die Aussage, dass man Fragen nicht stellen darf, die kommt aus dem Verstand. Das Herz lässt alle Fragen zu. Auch die, auf die es noch keine oder niemals Antworten gibt. Letztlich ist keine Antwort auch eine Antwort und bringt uns vielleicht dazu, endlich bessere und eindeutigere Fragen zu stellen.

Wir sollten keine Angst vor Ablehnung und Zurückweisung haben. Wir sollten unsere Fragen – so wie es Kinder in jungen Jahren noch unverblümt tun – gut überlegen und wertschätzend stellen.

Nichts existiert unabhängig.

Wir sind alle verbunden.

Durch diese Verbundenheit lernen wir uns selbst immer besser kennen.

Wir werden am Du zum Ich.

Also: Wer bist du? Wer willst du sein und welcher Mensch willst du werden?

#seiimmerduselbst #außerdukannsteineinhornsein

Von Stühlen, die uns (nicht) passen können…

„Alle wollen die Welt verändern, aber keiner sich selbst. Denn Veränderung fällt uns schwer.“ Leo Tolstoi

Grade eben hat mich das Lesen einer Diplomarbeit, die ein Teilnehmer im Zuge der laufenden Mentaltrainer*innenausbildung verfasst hat, zu diesem Beitrag inspiriert.

Wir sitzen gelegentlich auf zu großen Stühlen.

Wir meinen vielleicht, wir sind zu klein.

Wir denken eventuell, wir seien hilflose Opfer der Umstände.

Wir denken möglicherweise, nur unser Weg ist der einzig richtige.

Und wir denken und denken und denken … wie im Autopiloten auf unseren alten eingefahrenen Gedankenwegen, die uns im Grunde nicht glücklich(er) machen. Eventuell. Vielleicht.

Wenn uns im Außen etwas nicht gut tun, ist unsere einzige Chance, uns selbst nachhaltig zu ändern. Und das immer wieder. Selbst wenn es „nur“ unsere Einstellung ist. Das ist im Grunde ganz einfach…und doch auch das Schwierigste, das wir lernen dürfen in dieser Welt.

Wir sind es selbst. Wir sind die Veränderung.

Eine Riesenchance.

Eine wirklich großartige Chance.

Egal wo uns das Leben gerade hingestellt oder -gesetzt hat.

http://www.neurotunes.com/akademie/ausbildungen/mentaltraining/